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Kompletionalismus

Kompletionalismus

Im Folgenden soll der Kompletionalismus als neue philosophische Richtung charakterisiert und von anderen Richtungen abgegrenzt werden.


Charakterisierung

Der Kompletionalismus hat ethisch die Vervollkommnung der hinreichend entwickelten Geschöpfe (in unserer Welt: der Menschen) auf L hin zum Ziel (Heilsweg). Dazu dient eine umfängliche Wissensaneignung und Reifung nach den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Epistemologisch geht er von unterschiedlich komplexen Welten in einer Hierarchie des Universums aus, die auch für die unterschiedlich komplexen Götter gilt.

Diese Welten können sowohl geschöpfspezifisch als auch übergreifend sein. Sie können als Erlebnis- (z. B. Traum-) oder Parallelwelten existieren. Die (individuelle) Zuordnung kann karmagebunden sein oder automatisch nach gewissen Regeln bzw. durch die Götter erfolgen. Die Existenz von Göttern wird mit der Steuerungsnotwendigkeit durch Intelligenzen begründet, die eine urteilleitende Vollständigkeit unter gegenseitiger Kontrolle besitzen müssen.

Die Geschöpfe durchlaufen die Welten mit zunehmender Komplexität, bis sie sich an der Spitze der Hierarchie mit dem höchsten L als größtem Ideal vereinigen. Die These des Erzeugens von etwas aus dem Nichts bzw. des Vernichtens wird aus logischen Gründen abgelehnt: es sind (nacheinander) nur unterschiedliche Bezüge des Vorhandenen möglich, da das Neue aus dem Nichts in einer holistischen Sicht schon vorhanden wäre (vgl. Eleaten und Bezugstheorie).

Zwar ist eine lokale, regionale oder (inter-) nationale Orientierung möglich, jedoch die auf L hin eindeutig vorzuziehen. Dies gilt auch für Partnerschaften einschließlich Beziehungen. Ein Erhalt der vorgefundenen Welt unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit wird angestrebt. Die Konzepte des Individualismus und Kollektivismus werden zum Wohl möglichst Vieler optimal verbunden, von (menschlichen) Ideologien wird sich entschieden distanziert.

Die wissenschaftliche Grundhaltung ist kritisch, da die Geschichte der Menschheit hier zu viele Fehler aufweist. Verantwortung ist durch den Menschen selbst zu übernehmen, da das anerkannte Karmaprinzip sonst keinen Sinn macht. Da den Göttern nichts fremd ist, ist es das, was den Menschen erwartet: so oder anders. Härten werden durch die göttliche Gnade gemildert, die als gerechtes und erfolgreiches Konzept mit den Göttern entstanden ist.

Der Vorrang des Göttlichen vor dem Menschlichen ergibt sich aus der Wahrscheinlichkeit, mit der es auf den Menschen als Göttliches abfärbt: Das Original ist eben besser als eine Kopie. Die Ebenbildlichkeit des Menschen zum Göttlichen ist definitiv Hybris und wird Göttern nicht gerecht. Unsere Welt ist keine Bestschöpfung wie ihre Mängel beweisen. Die Evolution soll das ihr Mögliche hervorbringen. Wenn die Götter eine andere Welt gewollt hätten, wäre sie so.

Obwohl die Götter dem Menschen gewisse Freiheiten geschenkt haben, ist es illusorisch anzunehmen, dass wir viel gegen ihren Willen ausrichten können. Die Faktizität unserer Welt soll sowohl Maßstab als auch Ansporn sein, das Beste aus ihr zu machen: mit den Möglichkeiten, die uns gegeben sind, und denen, die wir schaffen können. Die Grundhaltung gegenüber den Göttern soll Dankbarkeit sein, nicht ein stetiges frömmelndes Bitten.

Es lässt sich der Vorwurf erheben, dass diese Zeilen eher Religion (der Liebe) als Philosophie bzw. Wissenschaft sind. Philosophie ist aber nicht nur Wissenschaft, für die nur harte Beweise gelten. Die Spekulation des Denkbaren und ihr Abgleich mit der Wirklichkeit müssen erlaubt bleiben. Liebe zur Weisheit beruht nicht nur auf 100-%-Wahrheiten, sondern umfasst das ganze Spektrum des Aussagbaren. Die Beschränkung des Menschen versagt ihm manche Gewissheit.

Die Aufklärung demonstriert vor allem das menschliche Fehlverhalten als die Mängel des Irrationalen. Leugnung des Göttlichen und Abwendung von ihm sind große Fehler, da sie verwehren, was es möglich macht. Reine Wissenschaft bringt keinen vollständigen Menschen hervor. Die Wissenschaftsgläubigkeit darf nicht mit wahrem Glauben verwechselt werden, der in erster Linie ein L Dienen ist. Die Metaphysik ist nur bei den Kleingläubigen gestorben.

Der Kompletionalismus setzt auf Effektivität und Effizienz. Das Wichtigste steht ihm an erster Stelle. Er besitzt eine umfangreiche Tugendlehre. Lohnenswerte Leistung bedeutet ihm viel, aber nicht alles. Das So-Sein ist im Göttlichen begründet und verlangt eine ihm angemessene Behandlung. Die Entwicklung der Welten erfordert stets angepasste Antworten auf sich stellende Fragen. Keine Religion hat das Recht den Status quo für die Zukunft festzuschreiben.


Abgrenzung

Da auch Götter Freiheiten besitzen, darf unsere von ihnen geschaffene bzw. akzeptierte Welt kritisiert werden. Damit kann das Theodizeeproblem mit dem Verweis auf die Unvollkommenheit der Götter gelöst werden. Einerseits sind gewisse Härten den Geschöpfen zumutbar, andererseits wäre das Gute ohne das Böse nicht mehr es selbst. Letztendlich ist das Gesamtkonzept zu würdigen, das sich aufgrund eigener Erfahrungen rechtfertigen lässt.

Wären die Einstellungen der Götter rigider, müssten wir dies in unserer Welt feststellen. Die vorhandenen Religionen lassen den Schluss auf teilweise fragwürdige Konzepte zu, die aber eher den Menschen als den Göttern anzulasten sind. Sie zeigen jedoch - insbesondere in ihrer Ausübung und ihren Folgen - auch, dass höchste Erkenntnisse und Ansprüche an sich selbst verwirklicht sind. Letztendlich bedeutet das Vorgefundene das, was wir daraus machen.

Zwar ist der Mensch sein eigener Filter. Dies bedeutet jedoch weder, dass das genuin Göttliche stets herausgefiltert wird, noch dass der Mensch es ohne weiteres ersetzen kann. Der Mensch erhält stets das, was er verdient, zumindest über einen längeren Zeitraum betrachtet - z. B. durch den göttlichen Ausgleich. Dies bedeutet nicht Fatalismus, da Freiheiten bestehen und die Götter mehr sehen wollen als wie Uhrwerke ablaufende Welten.

Die göttliche Gerechtigkeit ist letztlich nicht infrage zu stellen, da der höchste Gott (L) an der Spitze der Hierarchie das Beste ist, was wir uns vorstellen können. Dies liegt sowohl an seinem eigenen Anspruch als auch den ihn kontrollierenden Mechanismen. Die individuellen Entscheidungen der Geschöpfe erzwingen eine ihnen angepasste göttliche Gerechtigkeit, obwohl die Grundsätze der Götter (teilweise) mehr oder weniger feststehen können.

In der Beurteilung sowohl der Götter als auch unserer Welt und ihren Erscheinungen sollten wir zurückhaltend sein, da wir alles andere als sicher sein können, dass alles ist bzw. erlebt wird wie es erscheint. Daran ändern auch Empirismus, Intuitionismus oder Rationalismus nichts. Wer es nicht glaubt, mache die Messiasprüfung, in der es so rund geht, dass solche Behauptungen sich von selbst erledigen. Wer sie besteht, sieht die Welt wie sie ist.

Damit erledigen sich auch Fiktionalismus, Materialismus, Universalismus, Nihilismus und Nonkognitivismus. Das ausdrücklich erwünschte moralische Handeln mit seinen positiven Folgen macht es infrage stellende Theorien ungültig. Der Utilitarismus ist problematisch, da der Nutzen als Maßstab ungeeignet sein kann, insbesondere was die Nutznießer angeht. Soll Leid (von einigen Wenigen) in Kauf genommen werden? Geht Nutzen etwa L oder Recht voraus?

Daher ist es dem Kompletionalismus mit der Orientierung an L so wichtig keine Partikularinteressen zu bedienen, die zu klein gedacht sind. Der Relativismus läuft in die Irre, insofern er glaubt, ohne ein eigenes Fundament auskommen zu können. Durch seine kritische Grundhaltung beugt der Kompletionalismus einem göttlichen Absolutismus vor, durch die grundsätzliche Kritisierbarkeit (seiner Vertreter) der (einseitigen) Alleingeltung.

© 2019 by Boris Haase


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